Vorsicht, trügerische Illusion!
Hat dich dein Navigationsgerät auch schon mal fehlgeleitet oder hast du dich in einer fremden Umgebung schon mal verfahren?
Manchmal gibt man sich Mühe aber landet am Ende doch in einer Sackgasse. Das kann jedem passieren! Es hat nichts mit dir zu tun. Viele einzelne Faktoren können dazu führen, dass du in einer Sackgasse landest. Bist du auf dich allein gestellt? Hat dir jemand falsche oder unzureichende Informationen gegeben? Hat die Situation sich verändert, weil es z.B. eine Baustelle oder Umleitung gibt? Hast du (Zeit-)druck? Bist du unter schlechten Bedingungen gestartet, z.B. gereizt, in schlechter gesundheitlicher Verfassung, in Dunkelheit, mit wenig Schlaf oder vielen Emotionen?
Egal, weshalb du von deinem Weg abgekommen und nun in dieser Sackgasse gelandet bist. Fakt ist, diese Sackgasse heißt "SUIZID".
Es bedeutet das vorsätzliche Beenden des eigenen Lebens.
Das Ende.
Das Ende von allem.
Auch, von allem Guten, das du erlebt hast und noch erleben kannst. Aber das weißt du natürlich selbst.
Niemand trifft die Entscheidung, sein Leben beenden zu wollen, leichtfertig. Weder ist es eine feige, noch eine mutige Entscheidung. Es ist vor allem keine freiwillige, denn oft geht sie einher mit Depressionen oder akutem Leidensdruck (Thema "aktive Sterbehilfe bei unheilbar und sehr schmerzhaften Erkrankungen" ist eine andere Kategorie). Suizid ist eine Sackgasse und KEIN Ausweg, denn ein Suizid führt ins Nichts. Du wirst nichts mehr fühlen, sehen, hören, riechen, schmecken oder erleben können. Du wirst nichts mehr wahrnehmen, weil du NICHTS mehr erleben wirst. Weil du nicht mehr lebst.
Dass du einen Ausweg suchst, ist mehr als verständlich! Aber lass dich nicht von der Illusion täuschen, eine Sackgasse wäre ein Weg. Auch ich war damals in dieser Sackgasse. Nichts ging mehr. Die Wände kamen näher, in mir wurde es gefühlt immer enger und enger. Je mehr ich mich versuchte, anderen mitzuteilen, umso weniger Verständnis bekam ich und je mehr ich allein blieb, umso schlimmer wurden meine Gedanken (näheres zu den versteckten Botschaften mit potentiellen Hinweisen auf einen bevorstehenden Suizid findest du auf dem Button "Ich mache mir Sorgen um jemanden").
Hinterfrage, wie du zu diesen Gedanken gekommen bist. Wann fing das an? Wie oft denkst du daran? Was denkst du, kommt nach dem Tod? Willst du einfach deine Ruhe?
Falls du einfach deine Ruhe willst, kann ich dir Hoffnung auf's Leben machen, denn Ruhe kannst du nur wahrnehmen, indem du lebst (hat mir mal eine Therapeutin gesagt).
Ich will nicht lang um den heißen Brei reden. Ich bin kein Therapeut, ich bin kein Rettungsdienst und ich bin leider auch nicht die gute Freundin, die gleich vor deiner Tür stehen wird, um dich zu fragen wie es dir geht.
Aber ich kann dir sagen, dass all das im Leben existiert! Und dass ich diese Seite extra für Menschen erstellt habe, die gerade keine Vertrauensperson haben oder die sich (noch) keine Hilfe suchen. Hast du dir vorn den Text über meine Suiziderfahrung durchgelesen?
Ich wartete auch vergeblich auf Hilfe. Ich wünschte, ich könnte dir etwas anderes sagen aber sie kam nicht.
Das bestärkte mich damals in meiner Vermutung, dass ich niemandem wichtig sei und ich jetzt "endlich aufgeben darf".
Aufgeben...
Dieses Wort suggeriert, dass das Leben ein Kampf ist, denn man kann ja nur aufgeben, wenn man vorher gekämpft hat.
Und ein Leben, das ein ewiger Kampf ist, ist kein Leben - da hast du Recht.
Das ist Überleben. Und das kostet extrem viel Kraft - bis man irgendwann keine mehr hat. Man wird müde.
Lebensmüde.
Jetzt, wo deine Kraft wahrscheinlich schwindet, möchte ich dich gern dazu ermutigen, einmal aufzulisten, was oder wer dich alles in letzter Zeit deiner Kraft beraubt hat. Schreib alles auf.
Und dann überlege einmal, was dir Kraft gibt oder früher Kraft gegeben hat. Falls dir nichts einfällt, denk noch weiter zurück. Gab es da etwas in deiner Vergangenheit? In ferner Vergangenheit? Geh so weit zurück bis du dich an dein kleines persönliches Glück erinnerst. Ist es vielleicht ein Geschmack? Ein Duft? Ein lieber Mensch? Ein Tier? Ein Ort? Ein Gefühl? Schaust du dir gern ein besonderes Bild oder einen Film an? Hast du es gern, wenn dir kühler Wind um die Nase weht oder wenn du warme Steine anfasst? Hörst du gern eine bestimmte Melodie? Lässt du gern Knallerbsen platzen? Malst/tanzt/strickst du gern? Restaurierst oder reparierst du gern alte Gegenstände? Entdeckst du gern Neues? Was sind die kleinen Dinge, die dich glücklich machen?
Denke immer weiter darüber nach. Schreib alles auf!
Das Leben kann schwer sein. Sehr schwer! Und man kann sich sehr alleine fühlen.
Aber auch allein bist du lebensfähig. Vergiss das nicht. Du brauchst niemanden. Und erst recht niemanden, der dir nicht gut tut.
Es ist schön mit anderen, weil wir soziale Wesen sind aber du fällst nicht gleich tot um, wenn du allein bist. Einsamkeit ist ein sehr großes Thema, aber darauf gehe ich jetzt (noch) nicht weiter ein, weil ich dazu einiges auf meiner Facebook Seite "Häng am Leben" schreiben werde. Falls dich das Thema aber betrifft, empfehle ich dir, auf den unten befindlichen Button "Ich bin einsam." zu klicken.
[HIER SOLLTEST DU JETZT AUFSCHREIBEN,
WAS DIR KRAFT RAUBT UND WAS DIR KRAFT SCHENKT 🖋✨]
Du hast nun also deine beiden Listen mit Dingen, die dich deiner Kraft berauben und mit Dingen, die dir Freude schenken erstellt, ja? (alternativ hier eine aktive Pause einlegen und damit beginnen)
Sehr gut! Ein wirklich guter Anfang!
Wenn du magst, kannst du unter die positiven Dinge auch "Häng am Leben" schreiben, damit du immer mal an mich denkst :) Wer weiß. Vielleicht erinnerst du dich ja in 2 Jahren an mich bzw. an dein altes Ich und bist dankbar dafür, dass du dir diese wundervolle zweite Chance gegeben hast! Ich würde mich jedenfalls riesig freuen, wenn du dich irgendwann wieder freuen kannst. Es gibt nichts schöneres als einen Menschen wieder glücklich zu sehen, der eine wirklich finstere Zeit hinter sich hat.
Das gute ist: Zeit vergeht! Auch diese Zeit wird vergehen! Das verspreche ich dir.
Das Leben ändert sich immer, auch wenn wir scheinbare Sicherheit in Routinen suchen. Die Welt dreht sich immer weiter. Alles fließt.
Aber du bist ins Stocken geraten.
Erinnere dich daran, dass dein Leben wertvoll ist und dass du es nicht zurückbekommen wirst, wenn du es endgültig aufgibst. Willst du dieses Leben so wie es ist nicht weiterführen, dann führe es anders.
Es gibt Menschen, die dir dabei helfen werden und es gibt immer Stellschrauben, an denen man drehen kann. Fang mit der kleinsten Schraube an:
Hol dir die Luft zum Atmen zurück!
Atme langsam tief ein. Und aus. Ein. Und aus. Immer weiter. So wie der Atem, ist auch das Leben ein dauerhafter Prozess. Es geht immer weiter.
Prüfe auch die Umstände, warum dir gerade oder schon länger die "Luft zum Atmen" fehlt. Manchmal sind es äußere, manchmal innere Umstände. Stelle dir all diese Fragen. Ist dein Wohnort der richtige Ort für dich? Bist du glücklich mit deiner Arbeit/Schule/Uni? Sind die Menschen, die dich umgeben, ein gesundes Umfeld für dich? Lebst du nach deinen Standards? Hast du eine psychische oder körperliche Erkrankung und bekommst adäquate Unterstützung dafür? Bist du in einer Notlage und brauchst vielleicht Hilfe von der Polizei, einem Seelsorger/Therapeuten oder einer Hilfsorganisation, um etwas an deiner Lebenssituation zu ändern? Wie müsste dein Leben sein, damit du es GERNE lebst?
Wie möchtest du, dass dein Leben ist? (bestimme ein Wort und schreibe dir auch das auf)
Und mit welcher Vertrauensperson wirst du in den nächsten 24h darüber sprechen?