Warnsignale, verschlüsselte Botschaften, nonverbales Verhalten

Danke, dass du dich über das Thema informierst und jemandem helfen möchtest.  Wichtig ist zunächst, sich klar zu machen, dass leider nicht jeder Suizid verhindert werden kann und dass nicht jedes auffällige Verhalten ein Warnsignal sein muss. Aber wenn man eine Person gut kennt und eine untypische Veränderung im Laufe der Zeit wahrnimmt, lohnt es sich auf jeden Fall, genauer hinzuschauen und GEZIELT NACHZUFRAGEN!

Ja, du hast richtig gelesen. Sprich es an, wenn du den Verdacht hast, dass eine Person suizidgefährdet sein könnte. Nichts ist schlimmer als der „Elefant im Raum“, den jeder wahrnimmt aber niemand anspricht. Jemand der suizidgefährdet ist, wird nicht erst auf die Idee kommen, sich das Leben zu nehmen, wenn du es ansprichst. Solltest du dich getäuscht haben, ist es trotzdem gut von dir, dass du dich um dein Gegenüber sorgst und kannst der Person ein offenes Ohr anbieten. Solltest du mit deiner Vermutung recht haben, so wird die betreffende Person erleichtert sein, dass du aufmerksam bist und ihr könnt nun offen darüber sprechen. Da Suizid allerdings nach wie vor ein Tabuthema ist, wissen viele Menschen nicht, wie sie in so einem Fall richtig reagieren sollen. Ein paar Do‘s and Don‘ts werde ich hier nachher noch benennen, am besten ist aber, du klickst nachher auf der Button „Wie kann ich helfen?“. Dort gibt es eine gute Schritt-für-Schritt-Anleitung, um ein Gespräch über den Umgang mit Suizidgedanken zu führen. Natürlich musst auch du als besorgte Person auf deine eigene mentale Gesundheit achten. Bitte tu das. Du kannst anderen nur helfen, wenn es dir selbst auch gut geht. 


Mögliche versteckte Anzeichen:

  • Verlorene Lebensfreude
  • Schwermut 
  • vernachlässigtes Äußeres (hat sich die Person immer geschminkt und jetzt nicht mehr? Haare zerzaust? Schlumperklamotten?)
  • vernachlässigte Körperhygiene („Wozu soll ich duschen, ich lieg ja eh nur im Bett“, Zähne nicht geputzt)
  • vernachlässigter Haushalt (Unordnung, Abwasch stapelt sich, Essensreste/Schimmel in Töpfen und Geschirr/Kühlschrank, Müll nicht mehr runter gebracht, schlechte Luft in der Wohnung)
  • fehlende oder ungesunde Ernährung/ Vermeiden von Einkaufen 
  • Sätze wie: „Ich schaffe meinen Haushalt nicht mehr“, „Mir ist alles zu viel“, „Ich habe keine Energie mehr“, „Ich will nicht mehr kämpfen“, „Ich schaffe es nicht mehr einzukaufen“ - generell, wenn dir jemand offenbart, dass er sein Leben nicht mehr organisiert kriegt, bitte verurteile ihn nicht, sondern hilf ihm z.B. beim Aufräumen/Abwaschen/Einkauf, biete deine Gesellschaft an und sprich die Person konkret darauf an, sich psychologische Hilfe oder Hilfe vom psychosozialem Dienst zu holen —> meine Meinung ist: wenn der Alltag nicht mehr funktioniert, ist es auch allerhöchste Zeit für eine psychosomatische Akutklinik, da dort die Person entlastet werden und sich ausschließlich um ihre Psyche kümmern kann
  • kuriose Internetposts wie Sprüche, Weisheiten, düstere Bilder (Vorsicht! Natürlich gibt es Menschen, die so etwas regelmäßig posten aber wenn ihr merkt, dass diese Posts sich plötzlich häufen, untypisch für jemanden sind oder immer Nachts gepostet werden, dann fragt einfach nach - JA, diese Bilder und Beiträge wollen Aufmerksamkeit erregen. Sie sind oft ein „stummer Schrei“ und wird von vielen übersehen oder nicht ernst genommen. Lieber einmal mehr ernst nehmen als zu wenig. Dieses Verhalten wird getan, weil die Betroffenen auch oft nicht wissen wie oder mit wem sie darüber reden können.)
  • plötzlicher Stimmungswechsel von Depression zu Euphorie (weil der Gedanke an Suizid leider oft Erleichterung bringt —> Achtung, Fehlinterpretation! Sollte jemand über Suizid als „Ausweg“ und „Lösung“ sprechen, wird kein guter Therapeut diese Person ambulant behandeln, sondern sie sollte zwingend in stationäre Behandlung, denn der Gedanke an Suizid hat sich bereits als etwas „positives“ manifestiert —> ich selbst habe es damals damals als „Hintertür“,  „Notausgang“ oder „Entspannungsgedanken“ bezeichnet. Solltest du sowas hören, ist die Lage ernst und es herrscht akute Lebensgefahr! Mache das deinem Gegenüber klar - das hat meine Therapeutin auch gemacht - und biete, wenn möglich, Unterstützung bei der Suche und Organisation eines Klinikaufenthaltes an)
  • Sätze wie: „Ich bin doch sowieso niemandem wichtig“, „Ich wünschte, ich könnte jemand anderen meine Gesundheit geben, denn mein Leben ist sowieso sinnlos“, „Ich kann nicht mehr“, „Ich bin wertlos/nutzlos/sinnlos/nur Ballast“, „Dann bringe ich mich halt um“, „Mich würde sowieso niemand vermissen“


WICHTIG!

Es gibt definitiv noch mehr Anzeichen, manchmal bleibt ein Suizid aber auch ohne Ankündigung. 
Die Gefahr liegt hierbei in der Affekthandlung. Viele Suizide sind nicht geplant und ein überlebter Suizid, bedeutet nicht, dass es der betroffenen Person plötzlich wieder gut geht.
Ich persönlich spreche nur von Suizid und überlebtem Suizid, da für mich das Wort "Suizidversuch" die Handlung relativiert und stigmatisiert. Es macht den Umgang damit schwerer.
Zum Thema "überlebten Suizid" und dem richtigen Umgang damit,  werde ich hier bei Gelegenheit noch etwas ergänzen. Bis dahin, schaut doch gern mal in die Arte-Dokumentation rein, die ich euch verlinkt habe! Ein sehr wertvoller Beitrag.